Präzision durch Navigation im Endoprothetik-OP
Jährlich werden in Deutschland fast 200.000 Knie-Endoprothesen eingesetzt. Jedoch ist die Patientenzufriedenheit im Vergleich zur Hüftendoprothese oftmals geringer, was häufig an Restschmerzen und einer eingeschränkten Beweglichkeit liegt.
Dies will das Team der Orthopädie im Krankenhaus St. Marienstift mit der Anschaffung eines hochmodernen Navigationssystems ändern.
Bei den Navigationssystemen der neuesten Generation kann auf eine strahlenbelastende Computertomographie oder auf MRT-Aufnahmen verzichtet werden. Vor der Operation werden kleine Tracker oder Marker am Ober- und Unterschenkel befestigt, während die Instrumente mit Sensoren ausgestattet sind. Eine Spezialkamera sendet Infrarotlicht aus und wird von den reflektierenden Trackern an die OP-Werkzeuge zurückgeworfen.
Vereinfacht gesagt, wandelt ein Computer Lichtsignale in ein virtuelles Gelenkmodell um, dass auf großen Monitoren im OP angezeigt wird. Das Operationsteam kann anhand dieses Modells zum Beispiel simulieren, wie sich eine bestimmte Orientierung der Prothese auswirkt und danach das Ergebnis live und in Echtzeit kontrollieren.
Das Orthopäden-Team am St. Marienstift hat seit einiger Zeit ein hoch modernes Navigationssystem im Einsatz für die Implantation von Knie- und Hüftgelenken und das mit großem Erfolg.
Chefarzt Priv.-Doz. Dr. med. habil. Michael John erklärt dazu: „Ein gutes Bein ist ein gerades Bein, aber was 'gerade' bedeutet, ist für jeden Patienten unterschiedlich.“
Das neue navigationsgestützte System ermöglicht es, präzise Achsstellungen und Weichteilbalancen zu erreichen, die individuell auf jeden Patienten abgestimmt sind. Durch die exakte Rekonstruktion wird auch die Haltbarkeit der Implantate verbessert.
Sicherheit durch Navigation
Zusätzlich wird ein personalisierter Behandlungspfad angewendet, der die Bewegungsanforderungen und die individuelle Anatomie, Beinachse, Gewicht, Geschlecht und das funktionelle Profil des Patienten berücksichtigt.
„Wir sprechen heute auch nicht mehr nur über Standardprothesen“, erklärt John. „Wir betrachten den gesamten Menschen – seinen Phänotyp, seine Statik, seine Bewegungsanforderungen.“
Dank einer riesigen Datenbank berechnet das Navigationssystem die möglichen biomechanischen Folgen jeder Schnittsetzung auf das Implantat. Durch ein farbiges Ampelsystem können Fehl- oder Überlastungen des Implantates und letztendlich Implantatversagen vermieden werden.
Auch Empfehlungen für die Nachbehandlung können hieraus abgeleitet werden.
„Technologie darf uns unterstützen, aber sie darf uns nicht ersetzen“, betont Dr. John.
Im Sicherheitskorridor, auch biomechanischer Belastungskorridor genannt, wird das bestmögliche Implantat individuell für den Patienten angepasst. Die finale Entscheidung obliegt jedoch immer dem Operateur.
Im St. Marienstift haben die Operationsteams intensive Schulungen durchlaufen, um die Vorteile der neuen Navigationstechnologie optimal zu nutzen.
Die Klinik für Orthopädie am St. Marienstift ist bekannt für ihre Expertise in der Primär- und Revisionsendoprothetik. Durch den Einsatz des neuen Navigationssystems optimiert das St. Marienstift die Ergebnisse von Knieoperationen und setzt neue Maßstäbe in der Endoprothetik. Patienten profitieren von dieser individuellen und präziseren Behandlung, die sowohl modernste Technologie als auch die menschliche Erfahrung berücksichtigen.
Externe Studien belegen, dass eine exakte Positionierung eines Implantates und eine korrekte Balance der Weichteile entscheidend für die Langlebigkeit einer Prothese und letztendlich für die Zufriedenheit des Patienten sind.